Sonntag, 16. Januar 2011

Ulrike mit Joka


„Reitkunst wird nicht am Schwierigkeitsgrad bestimmter Übungen gemessen, sondern einzig am Grad der Übereinstimmung von Reiter und Pferd und deren sichtbarem Ausdruck.“

(Kurt Albrecht)

Ein wahrer Satz, der aber leider bei so vielen Pferd- und Reiterpaaren nicht erkennbar ist. Da werden Lektionen geübt und geübt, immer verbissener und verkrampfter. Es wird gezogen und gestochen was das Zeug hält und am Ende hat es das Pferd in der Prüfung doch wieder vergeigt. Nein, so soll und darf Reiterei nicht sein, aber in vielen Reitställen spiegelt es doch leider die Realität. Umso schwerer ist es einen Reitlehrer zu finden, der sich auf ein Pferd- und Reiterpaar einlässt, es ganz exakt beobachtet und beurteilen kann und dann in vielen kleinen Schritten zum Erfolg führt. Damit meine ich nicht Turnierschleifen, sondern vor allem Losgelassenheit, Zufriedenheit und Harmonie. Sind sie gegeben, klappt es auch auf einmal mit den Lektionen. Mit Ines Treuger, habe ich vor rund fünf Jahren so eine Reitlehrerin gefunden. Regelmäßig nehme ich seitdem bei ihr Unterricht. Entweder mit meinem 14-jährigen Fjordwallach Joka oder im Winter, wenn es das Winterfell meines Ponys und die vereisten Straßen ein Training nicht zulassen, auf ihren Schulpferden. Ihre Schulpferde sind fast durchweg Senioren (Durchschnittsalter 20 Jahre), die alle topfit und gut geritten sind. Sie werden regelmäßig von Ines Treuger Korrektur geritten und zahlreiche habe schon einen ganz schönen Leidensweg hinter sich, bis sie auf dem Pferdehof Kranichweide landeten. Es sind keine perfekt gebauten Athleten und auf den ersten Blick vermutet man nicht was in ihnen steckt. Umso mehr sind sie ein Beweis, wie man mit richtiger, pferdegerechter Reiterei jedes Pferd fördern kann und sie sich unter dem Reiter zu selbstbewussten Tieren mit erstaunlichem Ausdruck entwickeln.

Mir war es wichtig, dass im Reitunterricht nicht nur die äußere Form korrigiert wird und mein Pferd irgendwie den Kopf an der Senkrechten hat, sondern das ich es real durchreite und es schwungvoll aus der Hinterhand arbeitet. Es soll gemeinsam mit mir Spaß an der Arbeit haben. Ich möchte mein Pferd gymnastizieren, mit ihm auch die ein oder andere Lektion reiten, doch vor allem sehe ich in ihm einen Freizeitpartner, mit dem ich sicher durchs Gelände reiten kann, Dressurlektionen übe oder bei einem Trail Spaß habe. Er soll durch das Geritten werden gesund und gelenkig bleiben.

Ich selbst reite seit 21 Jahren und habe seit 11 Jahren meinen Fjordwallach Joka, den ich als Jungpferd kaufte und selbst eingeritten habe. Er geht mit mir durch dick und dünn.

Wenn es sich anbietet, nehmen wir auch gerne mal an Lehrgängen von anderen Ausbildern teil, wie schon drei Mal bei einem Dressurlehrgang von Frau Isabelle von Neumann-Cosel oder im letzten Jahr bei einem Lehrgang von Dr. Gerd Heuschmann. Es ist toll bei solchen Kursen die Rückmeldung zu bekommen, dass man auf dem richtigen Weg der Ausbildung ist und sich die Korrekturen der Reitlehrer ergänzen und nicht widersprechen. Ines Treuger ist immer neugierig was man an neuen Übungen oder Ansätzen von Lehrgängen mitbringt und baut sie in das Training ein. Mein Fjord ist mit seinem dicken, kurzen Hals und relativ engen Ganaschen nicht das ideale Dressurpferd. Umso mehr freue ich mich über Ausbilder, die die Schwäche erkennen und einem daran angepasst hilfreiche Ratschläge geben und einen nicht mit dem Stempel versehen „dickes Pony ohne Talent“ und einen nicht mehr beachten. Das habe ich auch zu Genüge in Reitställen erlebt. Natürlich kann ich mit meinem Fjord in keiner M-Dressur Schleifen gewinnen, doch darum geht es mir ja auch gar nicht. Ich möchte im Rahmen unserer Möglichkeiten mein Pferd so gut es geht gymnastizieren, immer feiner auf die Hilfen abstimmen und zu guter Letzt mit einem zufriedenen, vertrauenvollen und gesunden Pferd durch die Welt reiten. Das wir auf diesem Weg sind bewies unser Sieg im Bundesbreitensportchampionat der Fjordpferde 2010 in Grünberg (Hessen), bei dem wir in diversen Geschicklichkeitsparcours unser Können unter Beweis stellen konnten.

Auch meinen Mann hat der Pferdevirus erwischt und er hat bei Ines Treuger vor rund fünf Jahren mit dem Reiten begonnen. Inzwischen hat er ein eigenes Fjordpferd und wir haben uns einen kleinen Hof gekauft, wo wir unsere Pferde direkt bei uns am Haus halten können und selber versorgen. Ein Traum ist wahr geworden!

Wir konnten inzwischen auch schon einige Bekannte für den Unterricht bei Ines Treuger begeistern und nehmen selbst einen Anfahrtsweg von über 40 km in Kauf. Der Unterricht ist es einfach wert!

Mittwoch, 5. Januar 2011

Madeleine mit Oakley

Ich heiße Madeleine, bin 16 Jahre alt und mein Kurspferd ist Oakley.
Seit 2 Jahren wird er nun schon von mir geritten und ich bin sehr glücklich, dass wir so gut zusammengefunden haben. Am Anfang hat er es mir doch etwas schwer gemacht. Oakley ist sehr freiheitsliebend und schätzt es gar nicht, wenn seine Reiter ihn zu sehr fordern.
Einmal hat er mich abgesetzt, was aber mehr oder weniger meine Schuld war. Unsere Stunden sind ein einziges Auf und Ab. Wenn man dieses Pferd reiten will, muss man sich über kleine Erfolge freuen. Die haben wir beim Erlernen des spanischen Schritts oder bei einem ausbalancierten Galopp. Man darf diesem Pferd nicht übel nehmen, wenn es mal nicht gelingen will. Oakley liegen Reiterspiele mehr als alles andere.
Ich finde, Oakley ist das beste Pferd der Welt.






Donnerstag, 9. Dezember 2010

Jaqueline mit Ignaz








Respekt muss man sich verdienen und Ignaz bringt mir das sehr überzeugend bei. Ich schätze, besonders viele Pferde wie ihn gibt es nicht, ich habe jedenfalls noch kein anderes kennengelernt, das so viel Verstand, Gelassenheit, Menschenkenntnis und Konsequenz in sich trägt. Vielleicht werden auch eine Menge Pferde mit diesen Anlagen geboren, aber von diesen überleben nur wenige, weil man viel Geduld, Wissen und Selbstkontrolle braucht.
Ignaz war jedenfalls das erste Pferd, auf dem ich mich richtig sicher fühlte. Das mag wohl an seinem breiten Rücken und den stabilen Beinen liegen, und auch an der plausiblen Erklärung zu seinem Wesen: „Also der Ignaz ist unser Herdenchef. Die ranghohen Wallache bleiben eher stehen, wenn ihnen was unklar ist. Bei den rangniederen kann es schon mal sein, dass sie weglaufen…“ Fein, dachte ich mir, das passt. Schließlich war ich schon siebenunddreißig und keine Sportskanone. Ihm muss ziemlich viel unklar gewesen sein, denn anfangs wir standen ziemlich oft.
Heute sind wir – zwar nicht immer, aber immer öfter – ein Paar. Dazwischen liegen rund 4 Jahre Reitausbildung auf dem Pferdehof Kranichweide. Wenn man als Erwachsener ohne Vorkenntnisse mit dem Reiten anfängt, braucht man erstens verständnisvolle zwei- und vierbeinige Lehrer und zweitens einen Plan. Die verständnisvollen Lehrer gibt es, Ignaz und seine „Kollegen“ nahmen mir eher selten was krumm, und Ines hat mich durch Erfolge „he guck mal, das klappt ja“, Krisen „ich lerne das sowieso nie!!!“ und einige (folgenlose) Sturzflüge kompetent, geduldig und mit Humor begleitet und freut sich sichtlich mit mir, wenn uns was Gutes gelingt.
Und der Plan? Er soll sich an den Möglichkeiten und Zielen des Reiters und dem Bedürfnis und Potential des Pferdes ausrichten. Dazu gehört eine Menge theoretisches Wissen rund um Pferde, wie man sie ausbildet und warum, ihren Blick auf die Welt und uns Menschen. Etwas schwieriger, aber nicht weniger interessant ist der Blick auf die eigene Person, die eigenen Stärken und Schwächen im Umgang mit dem Pferd und den Weg, den man daraus entwickeln kann. Eine enorm spannende Sache, wenn man sich darauf einlässt.
Unser Plan – also mein Plan, den Ignaz nun mit unterschreiben musste – geht in Richtung Dressurarbeit, um Ignaz seinem Alter gemäß fit und gesund zu erhalten und daran auch meine reiterlichen Fähigkeiten zu schulen. Da meine Courage für Sprünge oder weite Ritte ins Gelände noch wachsen muss, passen wir beide in dieser Hinsicht gut zusammen.
Ganz am Anfang standen wir uns öfter recht hilflos gegenüber, das charakterstarke, kluge Pferd mit seiner langen Liste von Reitschülern und ich ohne den konsequenten Führungsanspruch und leider ohne die natürliche Intuition, mit der meine Tochter so locker die Pferde auf ihre Seite zieht.
Ich musste also viele alte Denkmuster erkennen und ändern, mich öfter selbst austricksen und wirkliche innere Gelassenheit erarbeiten. Sehr hilfreich fand ich dafür Yoga, was ich bei einem sehr guten Lehrer regelmäßig übe. Und tatsächlich, mit der inneren Einstellung wandelte sich auch meine Einwirkung auf das Pferd, ohne dass ich mich auf Kampf, Konfrontation oder gar Gewalt einlassen musste. Es zeichnet den Reitunterricht auf dem Pferdehof Kranichweide aus, dass diesem Aspekt Rechnung getragen wird.
Auf unserem Weg liegen natürlich auch physische Herausforderungen, vor die man speziell als erwachsener Reitanfänger gestellt wird, also das Erlernen des ausbalancierten, korrekten Sitzes und daraus folgend die ruhige und losgelassene Hand, sowie die Fähigkeit des bewussten körperlichen Entspannens und Loslassens.
Nun erlebt man auf so einem langen Weg auch immer wieder Rückschläge und Zweifel. Für wirklich schwierige Übungen fehlt noch ein Quäntchen Respekt und Bereitschaft bei Ignaz, aber wir arbeiten beide geduldig und beharrlich daran. „Na, wer von Euch beiden hat jetzt den größeren Dickkopf?“ Ich natürlich. Immer öfter.
Stellt sich zum Schluss noch die Frage, was mir das alles bringt. Zumindest stellen mir andere – also die nicht reitenden Freunde, Familie, Kollegen usw. diese Frage öfter mal. Und ja, ich investiere viel Zeit, Kraft und nicht zuletzt Geld in die Reiterei, wohl wissend, dass ich keine Preise erreiten werde und der Reitsport auch ein gewisses Verletzungsrisiko birgt. Mit einundvierzig ist auch das schon ein Thema.
Darauf gibt es mehr als nur eine Antwort:
Für mich als ehemaliges Stadtkind hat sich eine neue Welt aufgetan. Ans Pferd bin ich ja erst durch meine Tochter Madeleine gekommen, die von ganz klein an eine besondere Beziehung zu Tieren hat und daher das Reiten schnell für sich entdeckte. Als Eltern ist man als Zuschauer und „Bodenpersonal“ ja immer dabei, aber erst auf dem Pferdehof Kranichweide hatte ich die Idee, das auch mal selbst zu probieren und schnell war ich „infiziert“.
Wir haben hier tolle Leute kennengelernt und gute Freunde gefunden, sind sogar heimisch geworden im schönen Nordvorpommern, da wir uns im Nachbardorf einen kleinen Bungalow zugelegt haben und seitdem nicht nur den Urlaub, sondern auch Wochenenden und Feiertage hier verbringen und der (zu großen und zu vollen) Stadt Berlin entkommen.
Durch die intensive Beschäftigung mit dem Partner Pferd habe ich einen anderen Blick auf mich selbst, bin freier, klarer und mutiger geworden, was sich auch auf den Umgang mit Menschen auswirkt. Ich habe außerdem festgestellt, dass ich auf viele materielle Dinge und Fleisch essen sehr gut verzichten kann.
Die Beharrlichkeit und Ignoranz, die mir Ignaz immer wieder abfordert, und die Gelassenheit, die ich mir von ihm abgucke, machen den Berufsalltag erheblich leichter, ganz zu schweigen von der ständigen Vorfreude auf die Reitwochenenden.
Zuallererst aber ist es die sich immer wiederholende Erkenntnis, wie viel Seele, Charakter und Verstand in einem Tier wie Ignaz stecken, die Freude, wenn er fleißig mitarbeitet und uns etwas richtig gut gelingt, und einfach das Glück des Zusammenseins mit einem großen vierbeinigen Freund und vielen zweibeinigen Freunden.
Noch viel mehr könnte gesagt werden, aber dabei will ich es bewenden lassen.

Jacqueline
Juli 2010